Ramon Chormann, geboren in Worms, zu Hause auf der Bühne und im Herzen ganz klar Pfälzer, ist Kabarettist, Sänger und Theaterchef aus Leidenschaft. Mit spitzer Zunge und feinem Gespür für den Alltagswahnsinn bringt er seit Jahren das Publikum zum Lachen und Nachdenken. Sein Markenzeichen: ein treffsicherer Mix aus pfälzischer Mundart, messerscharfer Beobachtung und trockenem Humor. Seit 2017 betreibt er sein eigenes Theater in Kirchheimbolanden. Das Ramon-Chormann-Theater ist eine feste Größe in der pfälzisch-rheinhessischen Kulturszene und ein echtes Zuhause für scharfzüngige Unterhaltung mit Haltung.

Herausgeberin des wmʼs, Daniela Ringe, im Gespräch mit Ramon Chormann über sein neues Bühnenprogramm, Humor, Inspiration und den ganz normalen Wahnsinn, den wir Alltag nennen.

Daniela Ringe: Herr Chormann, Ihr aktuelles Programm heißt „Es werd als besser!“ – klingt wie eine Mischung aus Hoffnung, Drohung und trockenem Realismus. Was dürfen wir vom aktuellen Bühnenprogramm 2026 erwarten? Was wird denn tatsächlich besser – und was bleibt leider nur ein satirisches Versprechen?

Ramon Chormann: Tatsächlich gibt es Dinge, die „als besser“ werden, aber wir sind einerseits etwas undankbar geworden für das, was gut läuft, und die Nachrichten lenken unsere Aufmerksamkeit auf Kriege, Krisen, Katastrophen. Das Programm bedient beide Varianten von „es werd als besser“, das, was wirklich besser wird, und das, was im ironischen Sinne „als besser“ wird, nämlich eigentlich „immer schlimmer!“ (als Beispiel: Vertrauen in die große Politik).

Daniela Ringe: Was sollten unsere Leserinnen und Leser im Wonnegau unbedingt wissen? Gibt es Höhepunkte, Überraschungen oder geheime Lieblingsstellen im neuen Programm, die Sie schon mal – ganz exklusiv – ausplaudern möchten?

Ramon Chormann: Solch ein Programm zusammenzustellen, dauert ca. sechs Monate, weshalb ich schon nur Themen aufnehme, die ich mag und drin haben will. Das geht dann von Nudelsalat, über verschiedene Typen von Urlaubern, über die neue Regierung, über die Handysucht und die German Angst bis zu „es Zuchtheislers Annemarie“. Die Leute sollen einfach mehr lachen, und zum Glück kann ich viele dazu bringen.

Daniela Ringe: Wie erleben Sie die Menschen „von der Bühne aus“ gerade? Gibt es neue Trends im Lachen, welche Zielgruppe an Menschen sprechen Sie am meisten an, und hat sich Ihrer Meinung nach, der Humor unserer Gesellschaft über die Zeit verändert?

Ramon Chormann: Humor ist und bleibt Geschmacksache, und da kann man weder etwas erzwingen, noch den Geschmack des Zuschauers verändern. Insofern spreche ich am meisten die Menschen an, die meinen Humor mögen, und zum Glück findet gerade seit der Zeit nach Corona eine kleine Verjüngung des Publikums statt, vielleicht werde ich aber auch immer älter und die anderen kommen mir nur jünger vor …

Daniela Ringe: Gibt es im neuen Programm auch ein bisschen Selbstironie – oder anders gefragt: Wann haben Sie das letzte Mal über sich selbst gelacht – auf der Bühne oder im echten Leben?

Ramon Chormann: Ich höre über mich eher solche Sätze wie „Der schaut immer so grimmig oder ernst“, oder „Der regt sich ja über alles auf“, aber tatsächlich reichen täglich zehn Anlässe nicht, bei denen ich mich über meine eigene Blödheit oder meine Missgeschicke kaputtlache. Solche Lieder wie „Du bisch doch so bleed, dass es fast schon nimmi geht …“ kommen ja nicht irgendwoher.

Daniela Ringe: In Ihrer DVD „Lauter Experte!“ nehmen Sie sich die „Allwissenden“ dieser Welt vor – von Google-Ärzten bis Hobby-Virologen. Haben Sie das Gefühl, wir leben in einer Zeit, in der jeder alles weiß – aber keiner mehr zuhört?

Ramon Chormann: Ich habe das Gefühl, dass wir einen Grad an Oberflächlichkeit erreicht haben, bei dem junge Menschen den Eindruck bekommen müssen, dass man anstatt eine Berufsausbildung anzugehen auch ein YouTube-Tutorial anschauen kann oder man Klavierspielen nach einem 14-Tage-Kurs auch relativ gut hinbekommt. Jeder meint, weil das Handy fünf Kameras hat, er wäre Fotograf, und jeder meint, er wäre Journalist oder Kommentator, wenn er oder sie einen Post absetzt. Viele streben mehr Freizeit an, machen dann aber nur Unsinn oder daddeln herum.

Und gleichzeitig sehe ich, dass Leute, die eine gewisse Qualität abliefern und ihr Handwerk verstehen, einfach immer weitermachen und eine tiefe innere Zufriedenheit verspüren, weil sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren. Daran halte ich mich fest. 

Tickets und Informationen unter www.chormann.de

Text: Daniela Ringe
Bilder: Ramon Chormann, alexjung