Der Frühling naht ganz langsam und mit ihm die Hoffnung auf Sonne, Wärme und vor allem weniger Krankheitstage. Vielleicht hat Sie in diesem Jahr die Influenza erwischt, vielleicht die fiebrige Bronchitis oder einfach „nur“ eine dicke fette Erkältung. Dazu der Schnee, die Kälte und gleichzeitig die trockene Heizungsluft – ziemliche Herausforderungen für unseren Körper. Wie schön, wenn das Jahr sich nun ganz zaghaft öffnet. Daniela Ringe: Frau Dr. Scheugenpflug, gerade in Winzerfamilien erleben Sie als Mediatorin immer wieder Spannungen bei der Hofübergabe. Warum ist das Thema so heikel?
Auch Max Werner aus Eich (Name der Autorin bekannt) in Rheinhessen ist hoffnungsvoll. In diesem Jahr hat es ihn ziemlich erwischt. Mehrfach musste er in diesem Jahr das Bett hüten, während seine Frau weiterhin gesund blieb und ihn umsorgte. Zum Glück! Einmal war er so erschöpft, dass selbst das Essen viel zu anstrengend für ihn war. Er fragt sich, warum seine Frau nicht krank geworden ist. Ist es reiner Zufall?
Das Spiel der Natur
Die Beobachtung ist nicht neu. Und so haben sich diese Frage bereits viele Mediziner und Forschende gestellt. Warum werden Männer von Infektionen häufiger und ggf. heftiger betroffen als Frauen? Welche Strategie verfolgt hierbei unser Körper? Das Spiel beginnt …
Anpfiff
Zunächst muss festgehalten werden, dass das Immunsystem, also das Abwehrsystem, bei Mann und Frau ziemlich gleich ist. Bestimmte Zellen erkennen, wenn Eindringlinge sich Zutritt zu unserem Körper verschafft haben, und reagieren darauf. Sie machen die Eindringlinge direkt unschädlich oder aber sie beauftragen andere Zellen, die Gegner zu attackieren. Also müssten Frauen wie Männer beim Kontakt mit schädlichen Erregern genauso häufig erkranken wie Männer, oder? Der Spielverlauf scheint ziemlich offen.
1:0 für die Frauen
Forscher haben herausgefunden, dass dem nicht ganz so ist. Vielleicht haben Sie schon von Interferon gehört, einem körpereigenen Stoff, der gegen Viren wirkt. Um diesen im Körper zu aktivieren, wird ein körpereigenes Eiweiß benötigt, das von einem Gen produziert wird. Dieses Gen, das die Reaktion zur Produktion von Interferon in Gang bringt, reagiert auf Östrogen, das weibliche Sexualhormon. Und wenn dieses Gen auf Östrogen trifft, dann wird die Kettenreaktion in Gang gesetzt. Wie Dominosteine, die aufgereiht bei Antippen des ersten Steines nacheinander umkippen. Der Auslöser hier ist das Östrogen.
Einspruch des Schiedsrichters
Stopp, werden Sie sagen, Östrogen ist doch auch im männlichen Körper vorhanden. Das heißt, die Kettenreaktion der Dominosteine müsste doch dort ebenfalls in Gang gesetzt werden. Das ist auch richtig, aber wie immer in unserem Körper bestimmt die Dosis die Wirkung und somit die Reaktion. Müssen oder dürfen wir uns also damit abfinden, dass Frauen im Allgemeinen besser vor Infektionen geschützt sind?
2:0 für Frauen
Die Organe des weiblichen Körpers produzieren nicht ihr Leben lang Östrogen in benötigter Menge. Mit Eintritt in die Wechseljahre verringert sich die Produktion, die Funktion der Eierstöcke lässt nach. Die Menge an Östrogen, die für die Kettenreaktion der Dominosteine benötigt wird, ist geringer. Mit der Folge, dass der Infektionsschutz sinkt. Aber Achtung: Die Betonung liegt auf „sinkt“, denn aufgehoben ist er nicht. Frauen haben diesbezüglich immer noch einen Vorteil gegenüber Männern.
3:0 für Frauen
Ach, Sie haben Kinder und erleben, dass Ihre Kinder häufiger krank sind? Nun, das ist nicht wirklich verwunderlich, kommen sie doch in Kita und Schule mit vielen Erregern in Berührung. Jedoch kann der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen bis zu weiblichen Neugeborenen beobachtet werden. Jungs scheinen anfälliger zu sein als Mädchen. Fairerweise muss ergänzt werden, dass natürlich auch andere Gene eine Rolle spielen und ebenfalls für eine bessere Abwehr sorgen, da diese auf dem X-Chromosom, dem weiblichen Chromosom, liegen.
Eigentor für die Männer
Hinzu kommt, dass das männliche Sexualhormon (Testosteron) die Funktion bestimmter Immunzellen (Abwehrzellen) hemmt.
Torverhältnis dennoch ausgeglichen?
In Bezug auf Infektionen sind Frauen von Natur aus besser ausgestattet als Männer. Allerdings kann die Kettenreaktion der Dominosteine auch fehlerhaft verlaufen. Dies zeigt sich in Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose, bei der rheumatoiden Arthritis oder auch bei der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto. Von diesen Autoimmunerkrankungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer.
Und nun? Was können Sie tun?
Der beste Schutz vor Infektionen ist, sich gesund zu ernähren mit viel Gemüse, Salaten und östrogenhaltigen Lebensmitteln, ausreichend zu schlafen, sich warm anzuziehen, die Schleimhäute in Nase und Mund gut feucht zu halten und vor allem positiv in das kommende Frühjahr hinein zu blicken. Freuen Sie sich auf den ersten ausgedehnten Frühjahrsspaziergang mit viel Sonne und Vitamin D.
Seien Sie dankbar, dass der Wonnegau aus seinem Winterschlaf erwacht und mit dem Frühling das Immunsystem in die wohlverdiente Erholungsphase geht, um für den nächsten Winter gerüstet zu sein.
Text: Susanne Lusiardi
Bild: maxbelchenko/AdobeStock
MediumdeVita
Susanne Lusiardi
Heilpraktikerin für Psychotherapie und seelische Gesundheit
Telefon: 0163 7402926








