Bevor aus Liebe Rosenkrieg wird
Wie wir fair streiten, Eskalationen stoppen und mit Mediation wieder auf Augenhöhe kommen
Daniela Ringe vom wm, im Gespräch mit Frau Dr. jur. Angela Scheugenpflug, zertifizierte Mediatorin – mit Perspektiven von Martin Georg und Franz Josef Scheugenpflug

Der Film, der dem Rosenkrieg sein Bild gab
Daniela Ringe: Im Kinofilm „Der Rosenkrieg“ aus dem Jahr 1989, verwandelt sich die Ehe von Barbara und Oliver Rose, gespielt von Kathleen Turner und Michael Douglas in einen erbitterten Trennungskampf. Am Ende stürzt ein Kronleuchter ab; beide sterben. Frau Dr. Scheugenpflug, was können Paare tun, bevor ein Streit so zerstörerisch wird?
Dr. Angela Scheugenpflug: Mein erster Gedanke ist: Es soll gar nicht erst so weit kommen. Konflikte gehören zu Beziehungen. Gefährlich wird es, wenn nicht mehr das Problem, sondern der andere Mensch bekämpft wird, Kränkungen, alte
Fehler, Geld, Kinder oder Tiere zu Waffen werden. Fair streiten kann man lernen.
Wie ein Rosenkrieg wächst
Oft beginnt er mit unausgesprochenen Enttäuschungen. Dann verhärten sich die Fronten: Aus „Wir haben ein Problem“, wird „Du bist das Problem“. Es folgen Vergeltung, Bündnisse mit Freunden oder Verwandten und schließlich der Wunsch, dem anderen um jeden Preis zu schaden. Je weiter diese Spirale fortschreitet, desto größer werden Angst, Erschöpfung, gesundheitliche Belastungen, Kosten und familiäre Schäden. Früh gegenzusteuern schafft den größten Raum für eigene Lösungen.
Streiten lernen: Beobachten statt Angreifen
Hilfreich ist die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Sie trennt Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte: „Ich beobachte, dass unsere letzten Absprachen kurzfristig Gesundheit Anzeige Martin Georg Scheugenpflug, Jurist: Ist ein „Rosenkrieg“ strafbar? Der Begriff bezeichnet keinen eigenen Straftatbestand. Strafbar können aber konkrete Handlungen sein – etwa Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung, Sachbeschädigung oder Erpressung. Auch digitale Angriffe, die Veröffentlichung privater Inhalte und hartnäckige Kontaktaufnahmen können rechtliche Folgen haben. Wer Gewalt erfährt, bedroht oder verfolgt wird, sollte nicht auf eine gemeinsame Aussprache vertröstet werden. In akuter Gefahr gilt 110; das Gewaltschutzgesetz ermöglicht unter anderem Kontakt- und Näherungsverbote. Mediation ersetzt keine Rechtsberatung, kann aber bei Sicherheit, Freiwilligkeit und einem fairen Rahmen helfen, weitere Grenzüberschreitungen zu vermeiden und tragfähige Vereinbarungen zu entwickeln. geändert wurden. Das macht mich unsicher, weil mir Verlässlichkeit wichtig ist. Können wir Änderungen künftig am Vortag abstimmen?“ Das ist klarer als: „Auf dich ist nie Verlass.“
■ Beim aktuellen Thema bleiben. Das Archiv früherer Fehler
bleibt geschlossen.
■ Keine Abwertungen. Beschimpfungen, Drohungen und Ferndiagnosen zerstören jedes Gespräch.
■ Pausieren. Wer die Selbstkontrolle verliert, vereinbart einen
konkreten Zeitpunkt zum Weiterreden.
■ Klein anfangen. Eine überprüfbare Vereinbarung ist hilfreicher
als der Versuch, sofort die ganze Beziehung zu lösen.
Wenn man schon mitten im Rosenkrieg steckt
Dr. Angela Scheugenpflug: Dann braucht es zunächst keinen Beziehungsgipfel, sondern einen Waffenstillstand. Gespräch stoppen, Abstand herstellen, vorübergehend nur einen Kommunikationsweg nutzen und sich auf notwendige organisatorische Fragen beschränken. Private Nachrichten gehören nicht ins Internet; Besitz wird nicht zerstört oder verschenkt. Bei Übergaben können neutrale Orte oder eine dritte Person helfen. Bei Gewalt, Angst oder Drohungen geht Schutz immer vor gemeinsamer Aussprache: Polizei, Fachberatung und anwaltliche Hilfe sind dann wichtiger als Mediation.
Kinder und Tiere dürfen keine Druckmittel sein
Kinder lieben in aller Regel beide Eltern. Sie sind keine Boten, Spione oder Richter und dürfen nicht gezwungen werden, Partei zu ergreifen. Hilfreich ist die gemeinsame Botschaft: „Du bist nicht schuld. Wir lieben dich beide und kümmern uns weiter um dich.“ Auch Tiere reagieren auf Lautstärke, Unruhe und werden in besprechbare Themen übersetzt, Interessen hinter festgefahrenen Positionen sichtbar und eigene Lösungen möglich. Manche Paare finden wieder zueinander; andere organisieren ihre Trennung respektvoll. Beides kann ein gutes
Ergebnis sein. Gerade Eltern benötigen nach dem Ende ihrer Partnerschaft eine neue Form des Miteinanders – bei Schule, Krankheit, Geburtstagen und allen späteren Entscheidungen.
Daniela Ringes Schlussgedanke 
Daniela Ringe: Am Film erschüttert nicht nur das Ende, sondern der lange Weg dorthin, auf dem niemand die Spirale stoppt. Mediation setzt genau dort an: Sie schafft eine Pause, gibt beiden Stimmen Raum und übersetzt Angriff wieder in Anliegen. Sie verspricht nicht, jede Liebe zu retten. Aber sie eröffnet die Chance, wieder auf Augenhöhe zu handeln – auf einem neuen gemeinsamen Weg oder bei einer respektvoll organisierten Trennung. Besonders wenn Kinder oder Tiere mitbetroffen sind, ist das gelebte Verantwortung.







