Als Luther und Tyndale in die Eulenburg zurückkehrten

Eine besondere Jubiläumsveranstaltung erinnerte an den Druck des englischen Neuen Testaments vor 500 Jahren

 

Geschichte wurde lebendig im DRK-Seniorenzentrum Eulenburg: Vor 500 Jahren, im Jahr 1526, wurde an diesem historischen Ort ein Werk gedruckt, das die englische Sprache, die Bibelübersetzung und die europäische Reformationsgeschichte nachhaltig prägen sollte – das von William Tyndale ins Englische übersetzte Neue Testament. Zu diesem besonderen Jubiläum begrüßte der DRK-Kreisverband Worms zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche, Kultur und Gesellschaft. Unter den Ehrengästen befanden sich der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel sowie Dr. Olaf Mückain, wissenschaftlicher Leiter des Museums der Stadt Worms im Andreasstift. Dr. Mückain zeigte sich beeindruckt von der gelungenen Veranstaltung, der historischen Aufarbeitung und dem großen Engagement, mit dem die Geschichte der Eulenburg lebendig gemacht wurde.

Einen fundierten Einblick in die bewegte Vergangenheit des Hauses gab Vinzenz Loga in seinem Fachvortrag. Er berichtete von der früheren Meielburg, dem Vorgängerbau der heutigen Eulenburg. Hier ließ der englische Reformator William Tyndale im Jahr 1526 bei Peter Schöffer dem Jüngeren sein englisches Neues Testament drucken.

Tyndales Ziel war es, die Bibel nicht nur Geistlichen und Gelehrten vorzubehalten. Alle Menschen sollten sie in ihrer eigenen Sprache lesen und verstehen können. Nachdem der Druck seiner Übersetzung in Köln entdeckt und verhindert worden war, floh Tyndale nach Worms. Seine Bücher wurden später heimlich nach England gebracht, dort verfolgt, beschlagnahmt und teilweise öffentlich verbrannt. Dennoch prägte seine Übersetzung spätere englische Bibelausgaben bis hin zur berühmten King-James-Bibel und beeinflusste die englische Sprache dauerhaft.

Eine besondere Attraktion war das Faksimile der Tyndale-Bibel. Die Gäste konnten es nicht nur betrachten, sondern selbst in die Hand nehmen und dem historischen Werk dadurch unmittelbar begegnen. Eine liebevoll selbst gestaltete Sonderausstellung im Hause ergänzte die historischen Einblicke.

Zum viel beachteten Höhepunkt wurde der szenische Dialog „Worte, Würde und Menschlichkeit – Eine nächtliche Begegnung in der Eulenburg“ aus der Feder von Dr. Angela Scheugenpflug. Dr. Martin Scheugenpflug, Justiziar des DRK-Kreisverbandes, schlüpfte in die Rolle Martin Luthers, während der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Worms, Florian Edinger, William Tyndale verkörperte.

Mit Humor und zugleich nachdenklichen und berührenden Passagen ließen Dr. Martin Scheugenpflug und Florian Edinger die vergangenen 500 Jahre Revue passieren. Als Luther und Tyndale erinnerten sie an Mut, Glauben, Gewissensfreiheit und das Recht der Menschen, selbst zu lesen, zu verstehen und zu denken.Zugleich schlugen der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Worms, Florian Edinger, und Dr. Martin Scheugenpflug einen eindrucksvollen Bogen in die Gegenwart. Wo einst Worte gedruckt wurden, die den Menschen Freiheit und Zugang zu Bildung ermöglichen sollten, stehen heute Fürsorge, Pflege und menschliche Würde im Mittelpunkt. Die Botschaft des historischen Ortes habe sich deshalb nicht wirklich verändert: Damals wurde Hoffnung auf Papier gedruckt – heute wird Hoffnung von Menschen gelebt.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK wurden in den Dialog einbezogen. Pflege und Betreuung, Hauswirtschaft und Küche, Verwaltung und Haustechnik seien es, die aus einem Gebäude erst ein Zuhause machten. Gute Pflege bedeute mehr als Versorgung: Sie bedeute, den Menschen anzusehen, ihm zuzuhören, seine Lebensgeschichte zu achten und ihm dort die Hand zu reichen, wo er sie benötigt.

Der Dialog mit Dr. Martin Scheugenpflug und DRK-Geschäftsführer Florian Edinger, der Gastbeitrag von Dr. Olaf Mückain, der Fachvortrag von Vinzenz Loga sowie die eigens im Hause geschaffene Sonderausstellung machten den Nachmittag zu einem außergewöhnlichen Gesamterlebnis.

Für das leibliche Wohl sorgte die Hausküche der Eulenburg. Passend zum Jubiläum bewirtete sie Bewohner und Gäste in einem liebevoll gestalteten altertümlichen Ambiente. So entstand eine Atmosphäre, in der Geschichte nicht nur erzählt, sondern auch erlebt werden konnte.

Heute bietet die Eulenburg älteren Menschen ein sicheres und herzliches Zuhause mit fachkundiger Pflege, persönlicher Zuwendung und gelebter Gemeinschaft. Wer weiterhin möglichst selbstständig leben und zugleich auf Unterstützung und Sicherheit zurückgreifen möchte, findet im Betreuten Wohnen des DRK eine attraktive Alternative. Interessierte Seniorinnen und Senioren sowie ihre Angehörigen sind herzlich eingeladen, sich über das Seniorenzentrum Eulenburg und die Möglichkeiten des Betreuten Wohnens zu informieren.  ▪ Text: DRK Kreisverband Worms