Wonnegauer Magazin Mai/Juni 2024

36 Wonnegauer Magazin Mit erweiterter Grundstücks- kürzung 100 % Gewerbesteuer sparen – auch bei PV-Anlagen Unternehmen, die ausschließlich eigenen Grundbesitz nutzen und verwalten, können durch einen Antrag auf erweiterte Grundstückskürzung die Gewerbesteuer vollständig umgehen. Diese Möglichkeit ist im Wachstumschancengesetz (WCG) signifikant verbessert worden, was insbesondere für Kapitalgesellschaften von hoher Relevanz ist. Durch die erweiterte Grundstückskürzung kann die Belastung aus Gewerbesteuern effektiv auf null reduziert werden, sofern der Gewinn ausschließlich aus der Verwaltung des eigenen Grundbesitzes resultiert. Beispiel 1: Eine GmbH betätigt sich nur mit der Vermietung eines Mehrfamilienhauses, das in ihrem Besitz ist. Sie erzielt einen Gewinn von 100.000 Euro. Lösung: Grundsätzlich unterliegen die 100.000 Euro der Gewerbesteuer. Sie beträgt nach Abzug einer minimalen Kürzung für den Einheitswert etwa 16.000 Euro. Stellt die GmbH einen Antrag auf erweiterte Grundstückskürzung, wird der komplette ‒ aus der Grundstücksverwaltung realisierte ‒ Gewinn von der Gewerbesteuer verschont; die Gewerbesteuer reduziert sich auf null Euro. Um die erweiterte Grundstücks- Steuertipp Anzeige kürzung nutzen zu können, muss das Unternehmen sich streng auf die Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes beschränken. Sollte es weitere gewerbliche Aktivitäten ausüben, wird die Kürzung grundsätzlich verweigert. Es gibt jedoch Ausnahmen: Unschädlich sind die Tätigkeiten, wie die Verwaltung oder Nutzung eigenen Kapitalvermögens, die Betreuung von Wohnungsbauten und die Errichtung und Veräußerung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie von Eigentumswohnungen. Die erweiterte Grundstückskürzung bezieht sich dann aber nur auf den aus der Grundstücksverwaltung erzielten Gewinn. Beispiel 2: Die GmbH aus Beispiel 1 betätigt sich auch in der Kapitalverwaltung. Der Gewinn von 100.000 Euro entfällt zu 80% auf die Vermietung des Mehrfamilienhauses und zu 20% auf die Verwaltung des Kapitalvermögens. Lösung: Grundsätzlich unterliegen 100.000 Euro der Gewerbesteuer. Wird ein Antrag auf erweiterte Kürzung gestellt, sind es nur 20.000 Euro, weil die Verwaltung des Kapitalvermögens eine weitere, unschädliche Tätigkeit der GmbH ist. Im Rahmen der jüngsten Gesetzesänderungen hat der Gesetzgeber die Regeln weiter gelockert, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern. Seit 2023 dürfen Einnahmen aus dem Betrieb von PV-Anlagen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge auf dem verwalteten Grundbesitz bis zu 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus der Grundstücksvermietung betragen, ohne dass dies die erweiterte Grundstückskürzung gefährdet. Beispiel 3: Eine GmbH erzielt 100.000 Euro Gewinn: 10.000 Euro stammen aus dem Betrieb einer PV-Anlage (Einnahmen = 25.000 Euro) und 90.000 Euro aus der Vermietung eines Mehrfamilienhauses (Einnahmen = 200.000 Euro). Lösung: Durch die Anhebung der Unschädlichkeitsgrenze im WCG ist der Betrieb der PV-Anlage für die erweiterte Grundstückskürzung unschädlich. Die Einnahmen hieraus (25.000 Euro) betragen nur 12,5 Prozent und damit nicht mehr als die neue Grenze von 20 Prozent der Mieteinnahmen (200.000 Euro). Wird die erweiterte Grundstückskürzung beantragt, unterliegen deshalb nur 10.000 Euro der Gewerbesteuer (Gewinn aus der PV-Anlage). FAZIT: Die erweiterte Grundstückskürzung ist für Immobilienverwaltungsunternehmen insbesondere in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft ein wahrer Segen. Durch die Anhebung der Unschädlichkeitsgrenzen im WCG für den Betrieb von PV Anlagen ist die Gefahr des Verlusts diese Steuervergünstigung deutlich reduziert worden. Text: M. Sc.Nicolas Rica, Steuerberater, Geschäftsführer, Fachberater für die Umstrukturierung von Unternehmen (IFU/ISM gGmbH) – HSP STEUER Worms GmbH & Co. KG

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