Wonnegauer Magazin Sept.–Nov. 2026

20 Wonnegauer Magazin Nibelungen-Festspiele 2026 Nach den Festspielen: Was bleibt von der „Hunnenkönigin“? Die Nibelungenfestspiele 2026 haben Kriemhild ins Zentrum gerückt. Nicht als bloße Rächerin am Rande einer bekannten Heldensage, sondern als Frau, die nach Siegfrieds Tod im Hunnenreich Macht, Liebe und eine neue Sprache für sich entdeckt. Die Wormser Uraufführung „Die Hunnenkönigin“ von Oliver Lansley, inszeniert von James Seager und der Londoner Compagnie Les Enfants Terribles, setzte dabei auf einen ungewöhnlichen Mix aus Schauspiel, Tanz, Puppenspiel, Illusion und Live-Musik von Alice Merton und Alexander Wolfe. Die Redakteurin des wmʼs und Autorin der autobiografisch-zeitgenössischen Bücher „Im Land der 1000 Hügel“ und „Zwischen Türmen und Bluthohl“ Anne Michel hat die Vorstellung vor dem Dom live erlebt. Herausgeberin des wmʼs Daniela Ringe spricht mit ihr über die Bilder hinter dem Spektakel und über die Fragen, die der Abend offenlässt: Daniela Ringe: Frau Michel, Sie haben die „Hunnenkönigin“ bei den diesjährigen NFS live erlebt. In welchem Moment wurde Ihnen klar, dass dieser Abend nicht einfach Kriemhilds Rache weitererzählt, sondern ihre Perspektive grundsätzlich verschiebt? Anne Michel: Schon kurz nach Beginn der Aufführung. Die Burgunden feiern König Gunthers Geburtstag. Alles ist zu grell, zu laut, um glaubwürdig zu sein. Hagen lobt den mächtigen Herrscher in den höchsten Tönen. Er kann damit aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Herr ein sehr schwacher Mensch ist. Auch Ute, die Königinmutter, meldet sich ungebeten zu Wort. Sie belässt es in ihrer Rede, die immer wieder unterbrochen wird, bei Andeutungen über die offensichtliche Schwäche des Reiches und Brünhilds mysteriösen Tod. Ein laut vernehmliches Klopfen an der Tür unterbricht das vorgeblich ausgelassene Treiben. Kriemhild betritt blutüberströmt den Thronsaal und verdeutlicht unüberhörbar, dass sie endlich „reinen Tisch“ machen will. Aus der Region Daniela Ringe: Das Stück zeigt Kriemhild zunächst als verschacherte Prinzessin und später als mächtigste Frau des Kontinents. Wirkt diese Entwicklung wie echte Selbstermächtigung oder wie die Übernahme jener Gewaltlogik, aus der sie eigentlich ausbrechen will? Anne Michel: Um die Nachricht von Brünhilds Freitod zu überbringen, reist ihre Mutter Ute an Etzels Hof. Dort angekommen konfrontiert sie ihre Tochter mit ein paar unangenehmen WahrBild: © Bernward Bertram Bild: © David Baltzer Szene am Burgunderhof v.l. Gunter (Paul Marianne Furtwängler, Kriemhild (Jeanette Hain) Burgunder (Miguel Torres Umba, Anna Martine Freeman), Kriemhild (Maria Dragus) und Risha Silvera Die Hunnenkönigin – Szene mit Zuschauertribüne

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