Wonnegauer Magazin 25 Neue Orientierung statt alter Muster Daniela Ringe: Sie sprechen vom „inneren Kompass“. Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Alte Muster geben Halt, auch wenn sie belasten. Wer sie verändern will, benötigt neue Orientierung. Der innere Kompass muss neu ausgerichtet werden. Mediation unterstützt das durch Reflexion, nicht durch Vorgaben. Lösungen werden gemeinsam entwickelt – und deshalb getragen. Die Rolle der Mediatorin: Spiegel und Wertearbeit Daniela Ringe: Welche Rolle haben Sie dabei als Mediatorin? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Ich begleite den Prozess. Ich bin ein Spiegel für die Beteiligten und helfe, Perspektiven sichtbar zu machen und auch Werte neu zu erarbeiten, damit wir wieder wertschätzend miteinander reden können. So entsteht in der Mediation ein Verstehensprozess, der im direkten Streit oft nicht mehr möglich ist. Der geschützte Rahmen der Mediation ermöglicht es, zu sprechen, ohne sich rechtfertigen oder schuldig fühlen zu müssen. Entscheidungen entstehen aus Einsicht, nicht aus Druck. Sprache, die Türen öffnet Ratschläge der Mediatorin für wertschätzende Kommunikation Eine andere Sprache ist manchmal der Türöffner für Veränderung. Das ist noch keine Lösung – und dennoch öffnen Sätze wie diese ein neues Gespräch, ohne zu eskalieren: y „Ich höre, dass dich das sehr belastet.“ y „Ich sehe, wie viel Verantwortung du trägst.“ y „Ich merke, dass mich/dich dieses Thema gerade sehr bewegt.“ y „Ich benötige einen Moment, um das Gesagte einzuordnen.“ y „Mir ist wichtig, dass wir darüber sprechen, ohne einander zu verletzen.“ Diese Sätze lösen keinen Konflikt – aber sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass Klärung möglich wird. PrimaMediation Dr. jur. Angela Scheugenpflug Küferstraße 7 67551 Worms Mobil 0173 7454014 prima.angela.mediation@gmail.com Externe Hilfe als Teil der Verantwortung Daniela Ringe: Was, wenn zusätzliche Hilfe nötig ist? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Auch das kann ein Ergebnis der Mediation sein. Familienmediation ersetzt keine Therapie und kein Coaching. Familienmediation kann jedoch helfen, den richtigen nächsten Schritt zu erkennen und diesen strukturiert zu gehen – als Ausdruck der Verantwortung für die Familie und für die nächsten Generationen. Warum Kontinuität wirkt Daniela Ringe: Unsere Leserschaft interessiert besonders, warum Kontinuität in der Mediation so wichtig ist. Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Weil Konflikte sich über längere Zeit entwickeln – und sich ebenso nur allmählich auflösen lassen. Regelmäßige Termine schaffen Verbindlichkeit, Orientierung und Vertrauen. Erst dadurch werden neue Muster stabil und Beziehungen zukunftsfähig. Fastenzeit, innerer Frieden und Familienfrieden Daniela Ringe: Was geben Sie Familien in dieser Zeit mit? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Die Fastenzeit lädt dazu ein, ehrlich hinzusehen. Mediation ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung und Reife. Durch Mediation können wir inneren Frieden finden – und damit oft auch den ersehnten Familienfrieden. Und manchmal ist genau das entscheidend: Die Seele kommt zur Ruhe. Der innere Seelenfrieden schafft Raum, in dem Beziehungen wieder frei atmen können. y Text: Daniela Ringe
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