Wonnegauer Magazin März–Mai 2026

24 Wonnegauer Magazin Warum Mediation in der Fastenzeit gut tut Mediation zum Innehalten, Klären, Dranbleiben. Herausgeberin des wmʼs Daniela Ringe im Gespräch mit der zertifizierten Mediatorin Dr. jur. Angela Scheugenpflug Fastenzeit als Chance: mehr Klärung, mehr Frieden Daniela Ringe: Die Fastenzeit steht für Innehalten und bewusste Entscheidungen. Warum ist sie aus Ihrer Sicht ein guter Zeitpunkt, um familiäre Konflikte anzuschauen? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Weil Innehalten eine Qualität hat, die im Alltag oft fehlt. Konflikte entstehen nicht plötzlich, sie entwickeln sich über längere Zeiträume. Erwartungen, Rollenbilder, Verletzungen bleiben bestehen, wenn sie nicht bewusst geklärt werden. Die Fastenzeit lädt dazu ein, genau hinzuschauen: Was belastet? Was trägt nicht mehr? Und was benötigt eine neue Ordnung? Wie finden alle Beteiligten wieder ihren inneren Frieden? Konflikte verschwinden nicht – sie verändern ihre Form Daniela Ringe: Viele hoffen dennoch, dass sich Konflikte mit der Zeit erledigen. Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Das ist meist nicht realistisch. Was nicht angesprochen wird, verschwindet nicht. Konflikte zeigen sich unterschiedlich: leise durch Rückzug und Schweigen, laut durch Poltern, Schreien oder heftiges Streiten. In manchen Fällen auch durch psychische Grenzverletzungen oder körperliche Gewalt. Das sind Ausdrucksformen eskalierter Konfliktdynamiken. Gesundheit Grenzen der Mediation: Sicherheit geht vor Daniela Ringe: Kann Mediation auch bei Eskalation helfen? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Mediation hat klare Grenzen. Akute körperliche Gewalt oder fehlende Sicherheit sind kein geeigneter Rahmen für Mediation. Sicherheit hat stets Vorrang. Gleichzeitig gibt es viele Situationen, in denen Eskalation aus Überforderung, Ohnmacht oder lang angestautem Druck entsteht. Dort kann Mediation helfen – wenn sie verantwortungsvoll aufgebaut ist. Nicht sofort gemeinsam: das passende Setting finden Daniela Ringe: Was heißt das konkret in der Praxis – gerade bei hoch eskalierten oder lang anhaltenden Konflikten? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Nicht sofort alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen. In solchen Situationen beginne ich häufig mit Einzelgesprächen, sogenannten Shuttle-Phasen. Manchmal sitzt nur eine Partei am Tisch, später dann alle gemeinsam. Das Setting hängt von der Situation, der Eskalationsstufe und der Gesprächsbereitschaft ab. So lassen sich Dynamiken verstehen, Verantwortung klären und Grenzen deutlich machen. Gewalt wird dabei weder relativiert noch übergangen. Mediation ist ein Prozess – Orientierung und Verbindlichkeit Daniela Ringe: Warum arbeiten Sie über mehrere Termine hinweg? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Weil nachhaltige Veränderung Zeit benötigt. In der Mediation kommt thematisch zunächst alles auf den Tisch – ohne Bewertung, ohne vorschnelle Lösungen. Das ist meist erst der Anfang. Mediation verläuft in Phasen, und diese sollten idealerweise auch vollzogen werden. Erst dadurch entstehen Orientierung und Verbindlichkeit. Mediation wird so zu einem Friedensprozess. Zwischen den Terminen: neue Wege erproben Daniela Ringe: Was passiert zwischen den Sitzungen? Dr. jur. Angela Scheugenpflug: Zwischen den Sitzungen können bereits neue Kommunikationsformen ausprobiert werden. Manchmal gibt es Zwischenvereinbarungen, die sich im Alltag bewähren sollen. Diese Erfahrungen werden in den Folgeterminen reflektiert und weiterentwickelt. Veränderung ist ein Weg, kein Ereignis. Dr. jur. Angela Scheugenpflug

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