30 Wonnegauer Magazin Angela Scheugenpflug Gedanken zur Symbolik der Hofübergabe Was mich an Hofübergaben besonders bewegt, ist dieser Moment des gegenseitigen Loslassens. Es ist wie beim Rebschnitt: Man trennt sich von Altem, um Neues wachsen zu lassen. In der Mediation ist das nicht anders – alte Muster, Erwartungen oder Verletzungen dürfen abgeschnitten werden, damit Vertrauen nachwachsen kann. Und genau darin liegt für mich die tiefere Symbolik jeder Hofübergabe. Zwischen Reben, Rollen und Respekt „Wenn die Reben die Richtung wechseln“ Wenn ein Hof den Besitzer wechselt, geht es selten nur um Grund und Gebäude. Die Herausgeberin des Wonnegauer Magazin Daniela Ringe sprach mit Mediatorin und Juristin Dr. Angela Scheugenpflug über Tradition, Vertrauen – und warum Zuhören das schönste Geschenk unter dem Weihnachtsbaum ist. Ein Gespräch über Hofübergaben, Generationen im Wandel und Vertrauen. Daniela Ringe: Frau Dr. Scheugenpflug, gerade in Winzer- familien erleben Sie als Mediatorin immer wieder Spannungen bei der Hofübergabe. Warum ist das Thema so heikel? Angela Scheugenpflug: Weil es nicht nur um Besitz geht – sondern um Lebenswerke. Der Hof ist Identität, Geschichte, manchmal Stolz über viele Generationen. Wenn dann die Übergabe ansteht, prallen oft zwei Welten aufeinander: die der Eltern, die ihren Betrieb mit Herzblut aufgebaut haben, und die der jungen Generation, die etwa an der Hochschule Geisenheim University oder einer anderen modernen Ausbildungsstätte studiert hat und neue Ideen mitbringt. Zwischen diesen Blickwinkeln liegt viel Gefühl – und manchmal auch Misstrauen. Daniela Ringe: Was genau löst dieses Misstrauen aus? Gesundheit „Ein guter Vertrag ersetzt keinen Dialog – aber er schützt, was im Gespräch erreicht wurde“, betont Dr. Scheugenpflug. So verbindet sich juristische Klarheit mit mediativem Feingefühl – im Dienst eines lebendigen Kulturerbes, das Generationen überdauert. Angela Scheugenpflug: Häufig ist es die Angst, loszulassen. Die ältere Generation möchte zwar übergeben, aber oft nicht wirklich abgeben. Gleichzeitig fühlt sich die Hofnachfolgerin oder der Hofnachfolger kontrolliert oder unterschätzt. Wenn neue Rebsorten ausprobiert oder der Vertrieb digitalisiert werden soll, erleben die Eltern das manchmal als Infragestellung ihrer Lebensleistung. Allerdings fühlt sich die junge Generation gebremst, obwohl sie Verantwortung übernehmen möchte. Und genau hier beginnen die Verletzungen – leise, aber tief. „ “ Daniela Ringe: Was kann Mediation in so einer Situation leisten? Angela Scheugenpflug: Mediation schafft einen geschützten Raum, in dem alle Beteiligten ihre Sicht aus- sprechen dürfen – ohne Bewertung. Es geht um Anerkennung, Vertrauen, aber auch um neue Rollen. Die Eltern müssen lernen, loszulassen, ohne das Gefühl zu haben, alles zu verlieren. Und die junge Generation muss lernen, Altes zu respektieren, ohne sich darin zu verlieren. Erst wenn beides gelingt, entsteht ein echter Generationenwechsel, statt nur ein Wechsel der Eigentumsurkunde. Daniela Ringe: Wie läuft solch eine Mediation ab? Angela Scheugenpflug: Ich beginne meist mit Einzelgesprächen. Da darf jeder einmal alles sagen – ehrlich, ohne Rücksicht. Erst wenn die Emotionen Platz gefunden haben, bringe ich beide Generationen zusammen. Dann geht es um das Verstehen. Oft reicht ein einziger Satz, der alles verändert – etwa:
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